Thomas Land

Der Abolitionismus von Daniel Loick und Vanessa E. Thompson

Wie der praxisorientierte Politaktivismus die theoretische Begriffsbildung ruiniert

Verkürzte Kapitalismuskritiken gibt es wie Sand am Meer. Die Eigenart abolitionistischer Kapitalismus- und Gesellschaftskritik besteht darin, die manifeste Gewalt der repressiven Staatsapparate sowie die (rassistischen) Auswahlkriterien ihrer bevorzugten Opfer(-gruppen) zu kritisieren, ohne die Zwecke staatlicher Institutionen und deren funktionale Zusammenhänge zu verstehen - was einen Begriff des kapitalistischen Staates voraussetzen würde. Die begriffslose und isolierte Betrachtung staatlicher Organisationen mündet in einer Dämonisierung der Täter(-organisationen), die ihre Entsprechung in der Heroisierung der Opfer(-gruppen) findet.

Den ’Subalternen’ werden infolge ihrer defizitären Integration in die ‚Mehrheits- oder Dominanzgesellschaft‘ besondere epistemische Fähigkeiten, sozialmoralische Qualitäten und gesellschaftstransformative Potentiale zugesprochen. Von diesen identitätspolitischen Prämissen ausgehend erfolgt im Abolitionismus die Theorie- und Begriffsbildung, die sowohl die empirische Analyse als auch die politische Strategiediskussion anleiten.
Im Text werden die Theorien, die historischen Thesen und die politischen Strategien des Abolitionismus entlang seiner hierzulande prominentesten VertreterInnen, Daniel Loick und Vanessa E. Thompson, vorgestellt und überprüft

zum Text:

Der Beitrag erschien zuerst in leicht gekürzter Version auf Kritiknetz. Zeitschrift für Kritische Theorie der Gesellschaft (https://www.kritiknetz.de/neuerechte/1539-die-konformistische-rebellion-des-abolitionismus-von-daniel-loick-und-vanessa-e-thompson)