Ingo Elbe

Zwischen Marx, Marxismus und Marxismen

Lesarten der Marxschen Theorie

Absicht der folgenden Bemerkungen ist es, eine grobe Übersicht über zentrale Lesarten der Marxschen Theorie zu geben. Diese sollen anhand einiger ausgewählter Themenbereiche als relativ klar voneinander abgrenzbare Marxismen dargestellt und in ihrer Wirkungsgeschichte bzw. -mächtigkeit hinsichtlich dessen, was im common sense unter ’der’ Marxschen Theorie verstanden wird, eingeschätzt werden.

Es wird dabei in ideologiekritischer Absicht eine Differenzierung zwischen der bislang vorherrschenden parteioffiziellen Marx-Deutung (dem traditionellen Marxismus, dem Marxismus im Singular, wenn man so will) und den dissidenten kritischen Formen der Marxrezeption (den Marxismen im Plural), mit ihrem jeweiligen Anspruch eines ’Zurück zu Marx’, vorgenommen.

Ersterer wird verstanden als Produkt und Prozeß einer restringierten und verzerrten Marx-Lektüre, z.T. ausgehend von den ’exoterischen’ Schichten des Marxschen Werks, die traditionelle Paradigmen in Nationalökonomie, Geschichtstheorie und Philosophie fortschreiben und den Mystifikationen der kapitalistischen Produktionsweise erliegen, systematisiert und doktrinarisiert von Engels, Kautsky u.a., schließlich mündend in die Legitimationswissenschaft des Marxismus-Leninismus.

Letztere, v.a. zu nennen sind westlicher Marxismus und neue Marx-Lektüre, arbeiten - meist jenseits institutionalisierter, kumulativer Forschungsprozesse, von isolierten Akteuren im Stile eines „Untergrund-Marxismus" vollzogen - die ’esoterischen’ Gehalte der Marxschen Gesellschaftsanalyse und -kritik heraus.

Überarbeitete Fassung

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(eine gekürzte und modifizierte Version des Textes erschien in J.Hoff/ A.Petrioli/ I.Stützle/ F.O.Wolf (Hg.): Das Kapital neu lesen. Beiträge zur radikalen Philosophie, Münster 2006)