Ingo Elbe

Der Zweck des Politischen. Carl Schmitts faschistischer Begriff der ernsthaften Existenz

Carl Schmitts Denken richtet sich offensiv gegen die liberale politische Philosophie und gegen jede Perspektive, die eine solidarische Weltgesellschaft ohne Krieg anstrebt. Schmitt lehnt eine Begründung des Politischen vom Individuum her ab, fürchtet sich vor einer Welt ohne Kriege und stellt das Opfer des Einzelnen ins Zentrum seiner Betrachtungen, die durchgehend ein normatives Programm der „Bejahung des Natur[zu]standes“ (Leo Strauss) zwischen irrational konzipierten Kollektiven enthalten. Hierbei spielt die Idee der ernsthaften menschlichen Existenz eine wesentliche Rolle. Im Folgenden sollen zunächst einige Bemerkungen zu Schmitts Begriff des Politischen gemacht und auf dessen deskriptive Unbrauchbarkeit hingewiesen werden (I), um anschließend sein noch fragwürdigeres normatives Anliegen herauszuarbeiten (II). Der Begriff des Ernstes wird sich dabei als normativer Kern seiner politischen Theorie erweisen. In einem weiteren Schritt (III) soll dieser Begriff mit der aufklärerischen Idee des Ernstes in Friedrich Schillers Schrift Über Anmut und Würde konfrontiert und schließlich sein Zusammenhang mit einer autoritär-masochistischen „emotionale[n] Matrix“ (Erich Fromm) angedeutet werden.

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Dieser Text ist die erweiterte Version des 2014 in H. Wallat (Hg.), Gewalt und Moral, Unrast-Verlag Münster, erschienenen Aufsatzes „Der Zweck des Politischen“. Die erweiterte Version erschien in: associazione delle talpe/Rosa Luxemburg-Initiative Bremen (Hg.): Maulwurfsarbeit III. Einführungen in die materialistische Staatskritik, Berlin 2015, S. 39-52