Hendrik Wallat

Die Affirmation des Naturzustands

Nietzsches Ontologie der Herrschaft

Es mangelt bis heute nicht an absurden Versuchen, Nietzsches Denken dem liberalen common sense der Gegenwart einzuverleiben , indem mittels einer ‚Hermeneutik der Unschuld’ das "Dynamit", welches der Philosoph nach Selbstauskunft sei, entschärft wird. Man staunt nicht schlecht, wenn der Denker eines radikalen aristokratischen Elitismus am Ende gar zum Stichwortgeber eines akademischen Konstrukts namens ‚radikaler Demokratie’ wird. Bekanntlich lässt sich für jedes Thema ein schönes Zitat aus dem an Perspektiven so überreichen Werk Nietzsches herausklauben. Nichtsdestotrotz hat Nietzsche es an Deutlichkeit nicht missen lassen: In Bezug auf politische Fragen spricht er Tacheles und ist jedem denkenden Wesen verständlich. Da aber selbst eine Theorie, die mit dem Bekenntnis auftritt, einer „revolutionären, antikapitalistischen Politik“ zu dienen, sich hierüber ausschweigt, ist es notwendig, diesbezüglich unmissverständlich Aufklärung zu schaffen.

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(erschienen in: I. Elbe/S. Ellmers (Hg.), Eigentum, Gesellschaftsvertrag, Staat, Westfälisches Dampfboot, Münster 2009)