Autor: Fabian Kettner
Arendts Satz von der "Banalität des Bösen" wurde Feuilleton-Phrase und Basis-Satz für ein Sinnieren über den Zusammenhang von "Holocaust & Moderne". Eichmann sei nichts als ein Bürokrat, ein interesse- und leidenschaftsloser Spießer, nur an seiner Karriere, nicht am Gegenstand seiner Arbeit interessiert, geschweige denn Antisemit gewesen. Diese Interpretation galt und gilt als fortschrittlich gegenüber dämonisierenden und personalisierenden Sichtweisen auf den Nationalsozialismus. Der Vernichtungsapparat sei im Grunde eine Bürokratie wie jede andere gewesen und Bürokratie als Signum der Moderne daher potentiell genozidal. Diese neuere, fortschrittliche Sicht lässt die Täter unter den Tisch fallen; ebnet die Judenvernichtung in allgemeine Phrasen über ,die Moderne’ ein; blendet die Bedeutung des Antisemitismus und einer hochmotivierten, ideologisch inspirierten Funktionärsgruppe in einer "kämpfenden Verwaltung aus. Sie übernahm das Bild, das Eichmann von sich selber zeichnete.
Bei dieser Veranstaltung geht es um die Korrektur des historischen Bildes, die Aufarbeitung linker theoretischer Klassiker und um eine kritische Betrachtung solcher Theorien über Antisemitismus, Nationalsozialismus und die Shoah.
Fabian Kettner hat Philosophie in Bochum studiert. Magisterarbeit über Wirkungskreise des Geldes.