Autor: Fabian Kettner
Empire ist zum einen ein digest von soziologischen und politologischen Studien des letzten Jahrzehnts über Globalisierung: über die Veränderungen in der Arbeitswelt und ihrer Organisation, über das Verhältnis von erster, zweiter und dritter Welt zueinander, wie über das von Markt, Geld und Kapital auf der einen und Staat und Zivilgesellschaft auf der anderen Seite. Zum anderen ist Empire eine Revue von Theorien und Theorieversatzstücken und ein dropping von Theoretikernamen. Eklektizismus wäre ein Lob, dies aber setzte voraus, dass man verstanden hat, was man zusammenfügt. Tatsächlich aber tradieren Hardt & Negri, sowohl in ihrer Kritik wie in ihrer Fortentwicklung, v.a. die Fehler des Marxismus-Leninismus. Zum dritten ist Empire als dieses update von Weltzustandsbeschreibung und Theoriestandard die Kulisse, in der Hardt & Negri ihre Weltanschauung entfalten. Sie schreiben also nichts Neues, aber sie artikulieren etwas. Sie soufflieren ihren begeisterten Rezipienten das, was sie schon immer, wenn schon nicht dachten, so doch zumindest in sich hatten; und was nun, nach der Lektüre, einen Ausdruck, ein label gefunden hat. Das movens in Empire ist eine Ontologie der "Menge", mit deren manichäischem Antagonismus mit der Herrschaft, dem "Empire", Hardt & Negri Geschichtsphilosophie betreiben, an deren Ende die eschatologische Verheißung steht, wenn, nachdem die Entfremdung am größten, das Tal am tiefsten und die Not am höchsten, hinterrücks, durch und gegen die Intentionen der Herrschaft, der Kommunismus sich hergestellt haben werde. Aber der Weg dahin ist hart, dornig und blutig. Den Unterdrückten, der aufbegehrenden "Menge", denen, deren Sache sie angeblich vertreten, wird von Hardt & Negri noch mehr zugemutet als von Seiten der Herrschaft von Staat & Kapital ohnehin. Der Wirbel um Empire ist abgeebbt. Wieso soll man sich damit überhaupt beschäftigen? Zum einen muss es selbst Gegenstand der Kritik sein. Empire, sein Stil wie sein Inhalt, ist über weite Strecken eine Zumutung für denkende LeserInnen, weil es sich in einem rasenden eigenen Jargon bewegt, der Enthusiasmus erzeugt, in sinnlosen Sätzen und willkürlichen Folgerungen. Die begeisterte Rezeption gibt des weiteren Auskunft über die Bewusstseinslage derjenigen, bei denen Empire gut ankam und verfing.
Fabian Kettner hat Philosophie in Bochum studiert. Magisterarbeit über Wirkungskreise des Geldes.