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Autor: Fabian Kettner

Sprecher der Toten

Der Film SHOAH von Claude Lanzmann ist auf DVD neu erschienen

Der Ausdruck „Shoah“ stammt aus der Bibel und bedeutet u.a. „große Katastrophe“, „Zerstörung“, die dem Volk Israel von außen widerfährt. Er wird bereits seit 1940 zur Bezeichnung der Judenvernichtung verwendet. Im Gegensatz zu anderen Metaphern, wie „Holocaust“ oder „Churban“, mit denen ebenfalls versucht wird, die Einzigartigkeit der Judenvernichtung zu erfassen, fehlt „Shoah“ die religiöse Komponente. „Holocaust“, die englische Übersetzung einer griechischen Bibelstelle, bezeichnet ein religiöses Brandopfer. Dadurch wird die Judenvernichtung in einen funktionalen Sinnkontext gestellt und ist im Grunde auch für Antizionisten akzeptabel, die die Juden verdächtigen, einen beträchtlichen Teil ihres Volkes geopfert zu haben, um die Welt moralisch erpressen zu können, um endlich einen eigenen Staat zu bekommen. Auch das hebräische Wort „Churban“ rückt die Judenvernichtung in den Kontext eines göttlichen Plans von Sünde und Verfolgung. Demgegenüber betont „Shoah“ die Einzigartigkeit und wesentlich stärker den Aspekt von „Verzweiflung und metaphysischem Zweifel.“ Lanzmann war dieser Begriff vertraut, war für ihn aber „ein Signifikant ohne Signifikat, eine kurze Lautfolge, undurchsichtig, ein undurchschaubares Wort.“ Als er vor der Premiere nach der Bedeutung gefragt wurde, konnte er keine Antwort geben. Als ihm vorgeworfen wurde, dass ohne Übersetzung niemand den Titel verstehen würde, antwortete er: „Das ist genau mein Ziel, dass niemand versteht.“

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(in einer anderen Version erschienen in: Prodomo 8/2008)

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