Jérôme Seeburger

Hans G. Helms: Konstruktionen

Texte zur Musik und Kunst. 1954-2010

Selbst in dem kleinen Kreis, der Hans G Helms kennen müsste, ist er nahezu unbekannt. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass er eine schillernde Figur ist, die sich der einfachen Einordnung entzieht. 1932 im mecklenburgischen Teterow geboren, überlebte er in Nazideutschland, da sein Großvater mütterlicherseits die Hinweise auf die jüdische Konfession im Kirchenregister tilgte. Der Legende zufolge durchstreifte er gleich nach dem Kriegsende verschiedene Länder, betrieb sprachtheoretische und musikalische Studien, begeisterte sich für Jazz, spielte Saxophon, bis er 1957 nach Deutschland zurückkehrte und sich in Köln niederließ. Dort wurde er schnell Teil der Künstlerszene, experimentierte im Studio für Elektronische Musik, bildete mit Heinz-Klaus Metzger, Gottfried Michael König und anderen eine Arbeitsgruppe, die sich der gemeinsamen Lektüre von Joyces Finnegans Wake widmete. Vermittelt über Metzger lernte Helms 1957 Adorno bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik kennen. Zu dieser Zeit arbeitete er schon an seinem Werk, das ihn unter dem Titel Fa:m‘ Ahniesgwow 1960 einem größeren Publikum bekannt machen sollte. Wollte er zunächst nur mit Adorno die Konzeption seiner Komposition mit sprachlichem Material diskutieren, entwickelte sich daraus eine mehrjährige freundschaftliche Beziehung. In deren Zuge hielt Adorno 1960 anlässlich Helms‘ Kölner Lesung aus Fa:m‘ Ahniesgwow seinen in den Noten zur Literatur abgedruckten Vortrag Voraussetzungen. In den 1960er Jahren produzierte Helms weitere Sprachkompositionen, arbeitete für den Rundfunk und legte nach kleineren gesellschaftskritischen Arbeiten 1966 seine große Studie zur Kritik der Philosophie Max Stirners vor: Die Ideologie der anonymen Gesellschaft.

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