Olaf Kistenmacher

Georg M. Hafner/Esther Schapira: Israel ist an allem schuld

Warum der Judenstaat so gehasst wird

Das zu Ende gehende Jahr 2017 könnte, was die verschiedenen Formen der Judenfeindschaft in Deutschland betrifft, einen qualitativen Wandel markieren. In den Bundestag ist im September mit der Alternative für Deutschland (AfD) eine Partei eingezogen, in der die völkische Fraktion mehr und mehr die Oberhand gewinnt und aus der weder der Antisemit Wolfgang Gedeon ausgeschlossen wurde, noch ist davon auszugehen, dass Björn Höcke diese Strafe treffen wird. Im Dezember kam es nach der Ankündigung Donald Trumps, Jerusalem als Hauptstadt anzuerkennen und die US-amerikanische Botschaft dorthin zu verlegen, in Berlin und anderswo zu Demonstrationen mit den bekannten Parolen, die israelische Fahne wurde verbrannt, und Jüdinnen und Juden berichten von Angriffen auf sie. Innerhalb der Bundesregierung wird über einen staatlichen Antisemitismusbeauftragten nachgedacht; Jens Spahn, ein möglicher späterer Kanzlerkandidat der CDU, warnt wie andere vor ihm vor einem »importierten« Judenhass. Anlass genug, Georg M. Hafners und Esther Schapiras Buch Israel ist an allem schuld. Warum der Judenstaat so gehasst wird zu lesen oder erneut zu lesen, das zu einem Zeitpunkt erschien, als sich der aktuelle Rechtsruck ankündigte.

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