Dominik Drexel

Ebke, Thomas; Edinger, Sebastian; Muller, Frank; Yos, Roman (Hg.): Internationales Jahrbuch für Philosophische Anthropologie Band 6/2016. Mensch und Gesellschaft zwischen Natur und Geschichte

Der 2017 erschienene Sammelband "Mensch und Gesellschaft zwischen Natur und Geschichte" eröffnet in einer anregenden Breite diszipinärer Ansätze einen umfassenden Blick auf die Gründungs- und Entwicklungsgeschichte der Philosophischen Anthroplogie. Den Herausgebern gelingt mit dem Fokus auf (menschliche) Natur und deren Stellenwert in der (gesellschaftlichen) Geschichte eine vielversprechende Überführung von Philosophiegeschichte in begriffliche Auseinandersetzung. Insofern damit auf das Objekt von Vermittlung (gesellschaftlicher wie begrifflicher, praktischer wie theoretischer) gezeigt wird, stellt der Band auch eine wissenschaftliche Selbst-Reflexion in Aussicht. Die drei Hauptteile des Bands widmen sich erstens dem allgemeineren Verhältnis von Philosophischer Anthroplogie und Kritischer Theorie, zweitens dem Naturbegriff und drittens theoriegeschichtlichen Abzweigungen des „Dialogs“ der beiden Theorieschulen, wobei hier die Intersubjektivität den Schwerpunkt darstellt. Ein vierter Teil enthält zwei wieder-veröffentlichte Beiträge, darunter Adornos Notizen zur neuen Anthroplogie und vier Rezensionen.
Zu den konkret verhandelten Themen zählen die sehr divergenten Positionen der Vertreter der Philosophischen Anthropologie zum Nationalsozialismus und zur postnazistischen deutschen Demokratie, ihre Differenzen zur klassischen Anthroplogie und zur Kritischen Theorie sowie ihre Verwicklung in die intersubjektiven Theorien Jürgen Habermas’ und Axel Honneths. Dabei tritt auch, überwiegend implizit, die erkenntnistheoretische Konzeption der Philosophischen Anthroplogie hervor. Deshalb schließe ich an die ausführliche Diskussion der Beiträge eine kurze Reflexion auf den Subjektbegriff der Philosophischen Anthroplogie an (in Differenz zur Intersubjektivität und vor dem Hintergrund der politischen Vermittlung) und kontrastiere die dabei hervortretende anthropologische Ontologisierung von Gesellschaft mit Theodor W. Adornos methodisches Schweigen über ein menschliches Wesen.

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