Hendrik Wallat

Sven Ellmers: Die formanalytische Klassentheorie von Karl Marx

Ein Beitrag zur ’neuen Marx-Lektüre’

Nach jahrzehntelangen akademischen Abschaffungsversuchen der Klassengesellschaft hat
diese wider alle professionellen Verdrängungsstrategien den wissenschaftlichen Mainstream
erreicht. Ein Sachverhalt, der zu konstatieren erlaubt ist, wenn man den Kongress der
Deutschen Gesellschaft für Soziologie als empirischen Indikator gelten lässt. So hat etwa ihr
Vorsitzender, Karl-Siegbert Rehberg, in seinem Eröffnungsvortrag zum 32. Kongress des
DGS die immer wieder nicht zuletzt wissenschaftlich betriebene ‚Ausblendung oder
Umdeutung der kapitalistischen Wirtschaftsverfassung und ihrer Konsequenzen’ kritisiert und
Strukturen und Entwicklungsdynamiken der zunehmend in Erscheinung tretenden
‚unsichtbaren Klassengesellschaft’ der BRD herausgestellt.3 Die sozialen Differenzierungsund
Transformationsprozesse des sich globalisierenden Kapitalismus sind scheinbar nicht
mehr qua semantischer Entkonkretisierung zum Verschwinden zu bringen. Die Austreibung
des marxschen Klassengespenstes glich ohnehin zumeist einem Exorzismus: Will dieser
verjagen, was inexistent ist, bemüht sich sein soziologisches Pendant zu widerlegen, was nie,
zumindest jenseits politischer Agitation, behauptet wurde.

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