Fabian Kettner

Kiran Nagarkar: Gottes kleiner Krieger

Die seit den letzten Jahren gängigen Analysen stellen den islamistischen
Extremismus gerne in irgendeinen Zusammenhang mit denen, die diesen
bekämpfen. Manchmal wird eine direkte Kausalität zwischen den beiden
feindlichen Lagern konstruiert (der islamistische Extremismus sei das
Resultat westlicher ökonomischer, politischer und kultureller
Überfremdung und Unterdrückung), manchmal wird der Zusammenhang
nur allgemein und ebenso suggestiv wie nebulös assoziiert: man müsse
eine fatale Ähnlichkeit der Feinde konstatieren. Bin Laden wie Bush seien
schließlich Fundamentalisten, diese beiden nur zwei Spielarten derselben
verkehrten Weltanschauung. In diese Sicht wurde auch Gottes kleiner
Krieger von der Rezeption in Deutschland gespannt, denn Nagarkar erzählt
die lange Geschichte des intellektuell überdurchschittlich begabten Inders
Zia Khan, der über einen Zeitraum von über zwanzig Jahren vom Moslem
zum Christen und schließlich zum Hinduisten konvertiert.

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erschienen in: www.literaturkritik.de Februar 2007