Hendrik Wallat

Hennig Ottmann: Geschichte des politischen Denkens

Bd.3/3: Die Neuzeit. Die politischen Strömungen im 19. Jahrhundert

Henning Ottmann, Professor für Politische Theorie und Philosophie an der LMU München,
hat sich an das Mammutprojekt einer europäischen Universalgeschichte des politischen
Denkens von den archaischen Heroensagen des Homer bis zur Gegenwart gewagt.1 Wenn
allein schon der Versuch eines solchen Projekts größten Respekt verdient, so noch mehr die
sehr gelungene Durchführung desselben. Ottmanns Darstellung glänzt durch einen
hervorragenden Stil und ein fein abwägendes Urteilsvermögen, welches sich nicht weniger
differenziert als unpolemisch zu erkennen gibt, und nur noch von dem schier grenzenlosen
Wissen des Autors an Klasse übertroffen wird. Ottmanns Geschichte des politischen Denkens
hat seinen Platz in der Klassikergallerie großer Darstellungen, angesichts des Lesevergnügens
und seiner nahezu universellen Gelehrsamkeit in einem so weiten Feld des Wissens, ohne
Einschränkung sicher und vollends verdient.
Umso enttäuschender und erstaunlicher fällt dann aber die Lektüre seiner Marxinterpretation
aus. Es scheint bis heute ein scheinbar nicht zuletzt typisch deutsches Phänomen zu
sein, in Bezug auf Marx jegliche intellektuelle Redlichkeit zu verlieren.

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