Hendrik Wallat

Günther Mensching: Roger Bacon

Der Franziskanermönch Roger Bacon (1214/20-1292) gehört zu denjenigen Denkern der Philosophiegeschichte, die zu einer anachronistischen Interpretation einladen. So wird Bacon aufgrund seiner Kritik am scholastischen Universitätsbetrieb und seiner Begründung einer experimentellen Wissenschaft schon mal zum ‚first scientist’ (B Clegg); gleichsam Urvater der englischen Tradition des Empirismus. Und in der Tat hat man es bei Bacon mit einem ganz ungewöhnlichen Denker zu tun, dessen zeitkritischer Impuls sich auf so verschiedene Gebiete wie die Metaphysik, Optik, Alchemie, Technik, Medizin, Sprache und Semiotik erstreckte. In Mittelpunkt steht dabei die scientia experimentalis, die in ihrer Methode und in ihrer politisch-moralischen Ausrichtung den eigentlichen Fortschritt des Bewusstseins markiert.
Günther Mensching stellt in seiner konzisen und thematisch wie historisch weit blickenden philosophischen Interpretation des wenig bekannten Werkes des mittelalterlichen Philosophen genau diese zwei Punkte ins Zentrum: Zum einen das Bacon auszeichnende Moment der Antizipation der neuzeitlichen Naturwissenschaft, zum anderen die Kritik an einer sich aus diesem Sachverhalt speisenden anachronistischen Aneignung Bacons.

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