Ingo Elbe

Paradigmen anonymer Herrschaft

Politische Philosophie von Hobbes bis Arendt

Der Band untersucht die Spezifik kapitalistischer Eigentums- und Herrschaftsverhältnisse in Auseinandersetzung mit Positionen des neuzeitlichen Kontraktualismus, der antiliberalen politischen Philosophie des 20. Jahrhunderts und der Kritischen Theorie. Es wird dabei erkennbar, wie zentral der Topos anonymer Herrschaft in diesen Ansätzen ist, die wahlweise kritisch oder affirmativ die Herrschaft des Gesetzes, der Norm, der Sache oder des Niemand als modernetypisch deklarieren.
Zugleich wird gefragt, welchen Stellenwert personale, unvermittelte Herrschaft im staatlich regulierten Kapitalismus hat und welche Potentiale dieser für Fluchtbewegungen in autoritäre oder faschistische Verhältnisse erzeugt.

Inhalt

Vorwort (7-11)

Rationale Begründungsversuche von modernem Privateigentum und bürgerlicher Staatsgewalt

Der Preis der Freiheit.
Thomas Hobbes’ politische Philosophie zwischen Machttheorie
des Rechts und Rechtstheorie der Macht (12-70)

Vom Eigentümer zum Eigentum.
Naturrecht, Gesellschaftsvertrag und Staat im Denken John Lockes (71-117)

„der Mensch ist ein Tier, das ... einen Herrn nötig hat“.
Zum Spannungsverhältnis von praktischer Vernunft, Eigentum und
Staatsgewalt in Immanuel Kants Rechtsphilosophie (118-156)

Postliberale Rechtsphilosophie und politische Philosophie

Die ‚Herrschaft der Norm’ zwischen Geltung und Gewalt.
Eigentum, Recht und Staat in der Reinen Rechtslehre Hans Kelsens (157-215)

„Es ist nicht gut, daß der Mensch ohne Feind sei“.
Das Politische und die „Vernichtung des Einzelnen“ im Denken
Carl Schmitts (216-324)

Kritische Perspektiven auf moderne Herrschaft

Entfremdete und abstrakte Arbeit.
Marx‘ Ökonomisch-philosophische Manuskripte im Vergleich
zu seiner späteren Kritik der politischen Ökonomie (325-379)

Habermas’ Kritik des Produktionsparadigmas (380-402)

Triebökonomie der Zerstörung.
Kritische Theorie über die emotionale Matrix der Judenvernichtung (403-424)

Angst vor der Freiheit.
Ist Sartres Existentialismus eine geeignete Grundlage für
die Antisemitismustheorie? (425-445)

„das Böse, das von Niemanden begangen wurde“.
Hannah Arendts Konzept der „Herrschaft des Niemand“ (446-487)

Pressestimmen:

"Er leistet undogmatisch linksradikale, kritische Theoriearbeit mit dem Anspruch, akademische Philosophie als Gesellschaftskritik zu betreiben ... Die Gewichtung von einführender Rekonstruktion und kritischer Argumentation ist geglückt ... Hervorzuheben ist die konsequente Aufmerksamkeit für die besondere Bedeutung der Irrationalität faschistischer und nationalsozialistischer Herrschaft, die in Theorien über den Staat allzu oft auf Begleiterscheinungen reduziert oder erst gar nicht thematisiert wird. Die (erneute) Kontaktaufnahme von Sozialpsychologie und Staatstheorie, die Elbe anbahnt, verdient Aufmerksamkeit und Nachahmung. Es ist der politischen Philosophie wie der Kritischen Theorie der BRD zu wünschen, dass sie der von Elbe angestrebten Konfrontation nicht ausweichen."
(literaturkritik.de, 3.12.2015)

"Das Ziel dieser anspruchsvollen Studie ist es, „einen trennscharfen Begriff anonymer Herrschaft zu entwickeln, der vonnöten ist, um die Spezifik kapitalistischer Herrschafts‑ und Aneignungsverhältnisse“ (10) angemessen zu begreifen."
(Portal für Politikwissenschaft, 10.12.2015)

Königshausen & Neumann
526 Seiten, Broschur
Format 17 x 24 cm
€ 64,00 · ISBN 978-3-8260-5737-3