Autor: Ingo Elbe
(November 2001)
I. Engels’ historizistisches Konzept einfacher Warenproduktion
Noch 100 Jahre nach der Veröffentlichung des ersten ‚Kapital’ - Bandes galten Friedrich Engels’ Kommentare weithin als einzig legitime und adäquate Einschätzungen der Marxschen Ökonomiekritik. Keine Lesart war in der marxistischen Tradition derart unumstritten, wie die von Engels in Texten wie der Rezension von ‚Zur Kritik der politischen Ökonomie’ (1859) oder dem Nachwort zum dritten Band des ‚Kapital’ (1894) entwickelte: Vor dem Hintergrund seiner Widerspiegelungskonzeption deutet Engels die Marxsche Wertformanalyse als zugleich logische und historische Darstellung eines ‚einfachen Warentauschs’ bis hin zum kapitalistischen Lohnarbeitsverhältnis, „nur entkleidet der historischen Form und der störenden Zufälligkeiten“. [1] Der Begriff ‚logisch’ meint in diesem Kontext im Grunde nichts als ‚vereinfacht’. Die Darstellungsweise, das Aufeinanderfolgen der Kategorien (Ware, einfache, entfaltete, allgemeine Wertform, Geld, Kapital) in der Kritik der politischen Ökonomie, kann demnach „nichts sein als das Spiegelbild, in abstrakter und theoretisch konsequenter Form, des historischen Verlaufs“ [2]. Die Betrachtung der Genesis der Geldform wird verstanden als Beschreibung eines „wirklichen Vorgang[s], der sich zu irgendeiner Zeit wirklich zugetragen hat“ [3]. An kaum einem anderen Punkt seines Werks reduziert Engels den historischen Materialismus derart drastisch auf einen vulgären Empirismus und Historismus, was die von ihm verwendeten Assoziationsketten ‚Materialismus-empirisch konstatierbare Fakten-wirklicher Prozess’ vs. ‚Idealismus-abstrakter Gedankenprozess-rein abstraktes Gebiet’ usw. belegen. Mit der ‚logisch-historischen’ Methode gibt Engels ein Stichwort vor, das in der marxistischen Orthodoxie ad nauseam strapaziert und rezitiert wurde. Bereits Karl Kautsky versteht in seinen enorm wirkmächtigen Darstellungen das ‚Kapital’ als ein „wesentlich historisches Werk“: [4] „Es war Marx vorbehalten, das Kapital als historische Kategorie zu erkennen und seine Entstehung an der Hand der Geschichte nachzuweisen, statt sie aus dem Kopfe zu konstruieren.“ [5] Sowohl der ML [6] als auch der westliche Marxismus [7] folgen ihm in dieser Einschätzung. Wird die Kritik der politischen Ökonomie aber als Historiographie gedeutet, so steht an deren Anfang folglich die vorkapitalistische Ware [8] und die Wertformanalyse beginnt mit der Darstellung der zufälligen, geldlosen Interaktion zweier Produkteigner, mit der von Engels sogenannten „einfachen Warenproduktion“, [9] die er als ökonomische Epoche von 6000 v.u.Z. bis ins 15. Jahrhundert hinein datiert: [10] Das Wertgesetz gelte in dieser Epoche in reiner, nicht von der Preiskategorie ‚verfälschter’ Form, was Engels am fingierten Beispiel geldlosen ‚Austauschs’ zwischen mittelalterlichen Bauern und Handwerkern illustriert: Hier haben wir es mit einem übersichtlichen sozialen Zusammenhang von unmittelbaren Produzenten zu tun, die zugleich Eigentümer ihrer Produktionsmittel sind, in der der eine unter den Augen des anderen arbeitet und folglich „die für die Herstellung der von [ihnen] eingetauschten Gegenstände erforderliche Arbeitszeit ziemlich genau bekannt“ [11] ist. Für Engels ist schon diese vorkapitalistische ‚Ökonomie’ eine entbettete, jedenfalls keine ‚moralische Ökonomie’: [12] Nicht etwa ein normatives Kriterium, sondern die Abstraktion einer von den Akteuren bewusst und direkt gemessenen Arbeitszeit ist für ihn unter den Bedingungen dieses ‚Naturaltauschs’ „der einzig geeignete Maßstab für die quantitative Bestimmung der auszutauschenden Waren“. [13] Weder der Bauer noch der Handwerker seien so dumm gewesen, ungleiche Arbeitsmengen auszutauschen: „Für die ganze Periode der bäuerlichen Naturalwirtschaft ist kein andrer Austausch möglich als derjenige, wo die ausgetauschten Warenquanta die Tendenz haben, sich mehr und mehr nach den in ihnen verkörperten Arbeitsmengen abzumessen.“ [14] Der Wert einer Ware wird also Engels zufolge durch die bewusst in Zeit gemessene konkrete Arbeit einzelner Produzenten bestimmt. Wie in Adam Smiths Arbeitsleidtheorie [15] wird hier Wertbildung als vorgesellschaftlicher Akt zwischen Individuum und Natur, in einer Mensch-Ding-Relation situierte, die Wertsubstanz abstrakte Arbeit schließlich als anthropologische Größe verstanden [16], die in das Produkt eingeht wie die Marmelade in den Pfannkuchen. Geld spielt in dieser Werttheorie keine konstitutive Rolle, es ist einerseits dem Wert äußerliches Hilfs- und Schmiermittel des Tauschs, dient andererseits zur Verdeckung des Arbeitsaufwandes als Wertsubstanz: Statt mittels Arbeitsstunden wird irgendwann plötzlich mittels Kühen und schließlich Goldstücken ausgetauscht. [17] Zwar weiß auch Engels, dass im Kapitalismus der Wert einer Ware durch gesellschaftliche Durchschnittsarbeitszeit bestimmt ist, sich erst nachträglich auf dem Markt herausstellt, ob ein Produzent abstrakte Arbeit geleistet hat. [18] Dies scheint für ihn aber kein notwendiger Bestandteil des Wertbegriffs, sondern eher kontingente Verkomplizierung eines einst (und in Zukunft wieder!) überschaubaren, ‚einfachen’ Sachverhalts zu sein – immerhin spricht Engels im ‚Nachwort’ von der reinen Geltung des Marxschen Wertgesetzes in prämonetären Zeiten. [19]
II. Marx’ ‚logische’ Darstellungsweise im ‚Kapital’
Marx’ Vorstellungen über die Darstellungsweise seiner Ökonomiekritik wie über deren Gegenstand unterscheiden sich nun fundamental von denen der marxistischen Orthodoxie bzw. des ‚Engelsismus’. Ja es tut sich hier tatsächlich ein lange nicht bemerkter Gegensatz zwischen (weitgehend klassischer) politischer Ökonomie und Kritik derselben auf. Dies kann hier nur kursorisch dargelegt werden: Marx hält es schlicht für „untubar und falsch, die ökonomischen Kategorien in der Folge aufeinander folgen zu lassen, in der sie historisch die Bestimmenden waren. Vielmehr ist ihre Reihenfolge bestimmt durch ihre Beziehung, die sie in der modernen bürgerlichen Gesellschaft aufeinander haben“. [20] Gegenstand der Ökonomiekritik ist demnach keineswegs die historische Genese des Kapitalismus aus vorkapitalistischen Produktionsweisen, sondern „die gewordne[...], auf ihrer eignen Grundlage sich bewegende[...] bürgerliche[...] Gesellschaft“, [21] also nicht die Ursprungs-, sondern die Reproduktionsdynamik eines sich erweiternden und krisenhaft reproduzierenden Handlungszusammenhangs, der seine eigenen Voraussetzungen als seine Resultate (re-) produziert. Da nun die Aufgabe einer Kritik der politischen Ökonomie die Erklärung dieses Systems sich wechselseitig (voraus-) setzender Formen [22] ist, müssen die „gleichzeitig existierenden und einander stützenden Elemente des Ganzen zwangsläufig in ein darstellungslogisches Nacheinander gesetzt“ [23] werden. Bereits im – von der gesamten Orthodoxie nicht verstandenen - ersten Absatz des ‚Kapital’ weist Marx dabei unzweideutig darauf hin, dass es die kapitalistisch produzierte Ware ist, die ihm als Ausgangspunkt der Darstellung dient: „Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine ‚ungeheure Warensammlung’, die einzelne Ware als seine Elementarform. Unsere Untersuchung beginnt daher mit der Analyse der Ware.“ [24] Es lassen sich nun zwei Argumente für ‚die Ware’ als Anfang der Darstellung angeben. Ihre realhistorische Spezifität: Die Ware ist charakteristische Formbestimmung der Produkte des konstitutiven gesellschaftlichen Produktionsprozesses im Kapitalismus. Ihre logische Elementarität: Das Verständnis der Ware in abstracto ist Grundbedingung für das Verständnis der Kernbestimmung des kapitalistischen Produktionsverhältnisses, des Warencharakters der Arbeitskraft; der Begriff ‚Mehrwert’ kann zudem nicht vor dem des ‚Werts’ eingeführt werden. Die Ware muss also zunächst ‚an sich’ betrachtet werden. Ihre Behandlung unabhängig von den entwickelten Kategorien der kapitalistischen Produktionsweise bedeutet aber nicht, dass hier die vorkapitalistische Ware betrachtet würde, oder im weiteren: ein vorkapitalistischer, ja prämonetärer Warentausch. Der reale Verweisungszusammenhang, in dem die Ware mit Geld und Kapital steht (die reale Vermitteltheit des Unmittelbaren), muss erst noch begrifflich expliziert werden. Die dialektische Darstellung ist folglich in ihrem Fortgang Einholung notwendiger Voraussetzungen [25] des nur scheinbar Einfachen: der ‚einfachen Ware’ (W), des ‚einfachen – geldlosen - Warentauschs’ (W-W), der ‚einfachen – zwischen bloßen Waren- und Geldbesitzern vorgehenden – Zirkulation’ (W-G-W). Die historische Betrachtung ist Marx zufolge keineswegs identisch mit der „dialektische[n] Form der Darstellung“. [26] Sie tritt erst dann herein, wenn diese ihre „Grenzen“ [27] erreicht hat. Geschichtsschreibung ist die Kritik der politischen Ökonomie dort, wo sie die äußere Historizität der kapitalistischen Produktionsweise, die Schaffung ihrer Voraussetzungen in einer vorkapitalistischen Gesellschaftsformation, einbeziehen muss, [28] um nicht der Illusion der Absolutheit der Selbstreproduktivität des Kapitalismus zu erliegen und die Dialektik nicht hegelisch in einem ‚Kreis aus Kreisen’ aufgehen zu lassen. [29] Welche historischen Prozesse diesbezüglich zu betrachten sind, erschließt sich allerdings wiederum erst aus der Strukturanalyse der kapitalistischen Produktionsverhältnisse. [30] Auch die begrifflich unableitbaren Resultate innerkapitalistischer Entwicklung, wie z.B. das Ausmaß der Begrenzung der Arbeitszeit, müssen zum Gegenstand historiographischer Untersuchungen werden. [31]
III. Adjektivischer Sozialismus und die Aporien prämonetärer Werttheorie
Engels’ ‚einfache Warenproduktion’ stellt nun nichts anderes dar als eine Variante des Stundenzettel-Konzepts von Gray und Proudhon: Die konkrete Arbeitszeit ist Grund und Maß des Wertes und damit des Austauschs von Produkten. Jede Ware ist unmittelbar ihr eigenes ‚Geld’. Dass die Wertsubstanz und ihr Produkt eine eigene Wertform benötigen, der Wert einer Ware nur im Gebrauchswert einer anderen, ja erst in der allgemeinen Äquivalentform erscheinen kann, wird damit uneinsichtig. [32] Substanz und Form, Wesen und Erscheinungsform, Wert und Geld werden zu voneinander ablösbaren, äußeren Gegensätzen. Die (Wert-)Substanz wird zur physiologischen Gegenständlichkeit, zum in der einzelnen Ware vorhandenen Substrat hypostasiert, Wesen und Erscheinung stehen nur noch für ‚Eigentliches/ Wichtiges’ und ‚Uneigentliches/ Unwesentliches’, wobei das ‚Unwesentliche’ das ‚Wesentliche’ verschleiert. Gerade indem Engels die Darstellungsweise im ‚Kapital’ historisch-konkretistisch fasst, enthistorisiert und individualisiert er die Kategorien der politischen Ökonomie. Er kann sich dabei freilich auf vereinzelte, noch dem Paradigma der Klassik verhaftete Stellen, insbesondere in der Zweitauflage des ‚Kapital’, beziehen. Hier ist Marx einerseits Engels Vorschlag einer Popularisierung der Darstellungsweise gefolgt, [33] was zur Tilgung einiger zentraler methodischer Hinweise auf den logischen Charakter der Entwicklung der Wertformen geführt hat, [34] andererseits leistet Marx einer naturalistischen Deutung der Wertsubstanz durch die Bestimmung der abstrakten Arbeit als „Verausgabung menschlicher Arbeitskraft im physiologischen Sinn“ [35] bzw. „Verausgabung von menschlichem Hirn, Muskel, Nerv, Hand“ [36] Vorschub. Vor diesem Hintergrund kann sich im Marxismus erst eine adjektivische Vorstellung von Sozialismus/ Kommunismus entwickeln, die lediglich auf eine „revolutionierte [...] Rechnungsart der gleichen gesellschaftlichen Formbestimmung der menschlichen Arbeitsprodukte wie in der kapitalistischen Warenwirtschaft“ [37] hinausläuft. Im Anschluss an Engels’ (wiederum Hegel entnommener) Formel von der Freiheit als Einsicht in die Notwendigkeit und an dessen Parallelisierung von Naturgesetzen und gesellschaftlichen Prozessen [38] lautet die Grundaussage dieses sozialtechnologischen Emanzipationskonzepts: ‚Die im Kapitalismus anarchisch und unkontrolliert wirkende gesellschaftliche Notwendigkeit wird, mittels des Marxismus als Wissenschaft von den objektiven Gesetzmäßigkeiten in Natur und Gesellschaft, im Sozialismus planmäßig verwaltet und bewusst angewandt.’ Nicht das Verschwinden der kapitalistischen Formbestimmungen, sondern ihre alternative Nutzung, nicht die Dechiffrierung der Reichtums-Formen als historisch-spezifische, sondern ihre Naturalisierung kennzeichnen den adjektivischen Sozialismus und seine ‚sozialistische politische Ökonomie’. Im ‚Anti-Dühring’ fasst bereits Engels den Kommunismus als Wiederkehr der ‚einfachen Warenproduktion’: Die Gesellschaft kann dort nun „einfach berechnen, wie viel Arbeitsstunden in einer Dampfmaschine, einem Hektoliter Weizen der letzten Ernte, in hundert Quadratmeter Tuch von bestimmter Qualität stecken. Es kann ihr also nicht einfallen, die in den Produkten niedergelegten Arbeitsquanta [!], die sie alsdann direkt [!] und absolut kennt, noch fernerhin in einem nur relativen, schwankenden, unzulänglichen, früher als Notbehelf [!] unvermeidlichen Maß, in einem dritten Produkt auszudrücken und nicht in ihrem natürlichen, adäquaten, absoluten Maß, der Zeit.“ [39] In der expliziten Proklamierung von Absurditäten wie ‚sozialistischer Warenproduktion’ oder gar einem ‚originär sozialistischen’ (d.h. nicht einmal mehr als ‚Muttermal der alten Gesellschaft’ verstandenen) ‚Wertgesetz’ [40] kommt der bereits von Engels begründete adjektivische Sozialismus nur zu sich selbst. Engels’ Version im ‚Anti-Dühring’ behauptet zwar noch explizit das genaue Gegenteil von der offiziellen Doktrin des späteren Realsozialismus, nämlich die Aufhebung von Ware, Wert, Geld und Kapital im Kommunismus. [41] Doch diese ‚Aufhebung’ wird in Kategorien der Vergesellschaftung durch Arbeitszeit, unmittelbarer Arbeitszeitrechnung, des Austauschs, also einer substantialistischen Arbeitswerttheorie, formuliert. [42] Dieser ‚Kommunismus’ ist also nahezu ein direktes Abbild von Engels Fiktion ‚einfacher Warenproduktion’ im Nachtrag zum dritten Band des ‚Kapital’ – nur auf ‚großer gesellschaftlicher Stufenleiter’ und ohne Warenproduktion genannt zu werden.
Marx kann nun aber, trotz einiger Ambivalenzen, zeigen, dass diese Vorstellung von Kommunismus widersinnig ist. Was er dabei über die systematischen Aporien der prämonetären Werttheorien Grays und Proudhons ausführt, ist zugleich als Kritik an Engels und seinen Epigonen zu verstehen, die Marx’ Warnung, der Kommunismus müsse sich „vor allem dieses ‚falschen Bruders’ [des Proudhonismus] entledigen“, [43] nicht ernst genommen haben. Unterscheidet Marx zwischen direkter und indirekter Vergesellschaftung der Arbeit und quer dazu zwischen (marginaler) vorkapitalistischer und (universalisierter) kapitalistischer Warenproduktion, so konfundiert Engels die erste mit der zweiten Unterscheidung, so dass für ihn einerseits vorkapitalistische Warenproduktion Elemente unmittelbarer Vergesellschaftung zugesprochen bekommt, andererseits nachkapitalistische, direkte Vergesellschaftung in Kategorien der Warenproduktion gefasst wird. [44] Gegen die substantialistische, prämonetäre Auffassung Engels’, der zufolge bereits die besondere, einzelne Arbeit wertproduktiv, also abstrakt-allgemein, bereits ihr besonderes Produkt also unmittelbar austauschbar ist, zeigt Marx, dass ein solcher prämonetärer Tausch systematischer Art nach Maßgabe seiner Werttheorie logisch unmöglich ist: Im prämonetären Austausch (W-W) müsste jede Ware zugleich als Inkarnation des allgemeinen Reichtums, des Werts, und als solche des besonderen Reichtums, des Gebrauchswerts, gelten. Der Ware eines jeden Warenbesitzers sollten alle anderen Warenbesitzer als der allgemeinen Ware bedürfen, diese sollte also unmittelbar austauschbar mit allen anderen Waren sein. Alle anderen Waren der übrigen Warenbesitzer sollten aber nur besondere Waren, Gebrauchswerte für die Bedürfnisse eines jeden Warenbesitzers sein. „Stellt aber jede Waare ihre eigne Naturalform allen andern gegenüber als allgemeine Äquivalentform, so schließen alle Waaren alle von der allgemeinen Äquivalentform aus und daher sich selbst von der gesellschaftlich gültigen Darstellung ihrer Werthgrößen.“ [45] Tatsächlich aber erhalten „alle Arten Privatarbeit ihren gesellschaftlichen Charakter nur gegensätzlich, indem sie alle einer ausschließlichen Art Privatarbeit [...] gleichgesetzt werden. Dadurch wird letztere die unmittelbare und allgemeine Erscheinungsform abstrakter menschlicher Arbeit“. [46] Wert als gesellschaftliche Form der Privatprodukte kann sich also nicht in einer besonderen (ungesellschaftlichen) Äquivalentform adäquat ausdrücken. Dies ist der Motor des Fortschreitens der Darstellung in Marx’ Wertformanalyse, die zeigt, dass Waren ohne Geld logisch unmöglich sind. [47] Ob nun in John Grays oder Proudhons Tauschbank-Utopie oder in Engels’ Fiktion einer einfachen Warenproduktion bzw. in seiner Kommunismusvorstellung, immer wird in diesen Ansätzen behauptet oder gefordert, dass systematischer Warentausch ohne Geld funktioniert bzw. funktionieren möge, jeder Verkauf zugleich ein Kauf sein soll und damit Krisen und ‚Ungerechtigkeit’ abgeschafft werden sollen. Eine nationale Zentralbank, bei Engels das kommunistische Gemeinwesen, übernimmt die Funktion, sich der Arbeitszeit zu vergewissern, die in den Produkten der jeweiligen Produzenten vergegenständlicht ist und verteilt „ein offizielles Zertifikat des Werts, d.h. einen Empfangsschein für soviel Arbeitszeit, als seine Ware enthält und diese Banknoten von 1 Arbeitswoche, 1 Arbeitstag, 1 Arbeitsstunde usw. dienen zugleich als Anweisung auf ein Äquivalent in allen andern in den Bankdocks gelagerten Waren.“ [48] Marx zeigt nun einerseits, dass diese Utopie, entgegen ihrer ob anarchistischen, ob kommunistischen Absichten, nicht eine Abschaffung resp. ein Absterben, sondern im Gegenteil eine hypertrophe Ausdehnung der Staatstätigkeit, eine totalitäre Überpolitisierung der Gesellschaft bewirken würde. Die Bank bzw. Planungsbehörde müsste zur Feststellung der Arbeitszeit und Verhinderung eines Betruges im Austausch mit der Bank die konkreten Privatarbeiten beständig überwachen, ja zwecks proportionaler Verteilung der verschiedenen Arbeitsarten auf die Produktionszweige sogar anweisen. Sie wäre „nicht nur der allgemeine Käufer und Verkäufer, sondern auch der allgemeine Produzent“, damit „die despotische Regierung der Produktion und Verwalterin der Distribution“. [49] Andererseits kritisiert Marx die werttheoretische Paradoxie eines solchen Unternehmens: Um unmittelbar austauschbar zu sein, dürften die Privatarbeiten nicht besondere, private, sie müssten unmittelbar allgemeine, gesellschaftliche sein, d.h. „von vornherein als Glied der allgemeinen Produktion gesetzt sein. In dieser Voraussetzung aber würde nicht erst der Austausch ihr den allgemeinen Charakter geben, sondern ihr vorausgesetzter gemeinschaftlicher Charakter würde die Teilnahme an den Produkten bestimmen.“ [50] Unter privat-arbeitsteiligen Vergesellschaftungsbedingungen der Arbeit besteht der soziale Zusammenhang der Arbeiten in ihrer (objektiven) Gleichsetzung, dem Absehen von ihrem konkreten Charakter und der Reduzierung auf abstrakte Arbeit(szeit). Diese abstrakte Arbeit ist die spezifisch gesellschaftliche Form der Privatarbeiten, nicht eine Eigenschaft dieser Privatarbeiten selbst. Sie ist als Wertsubstanz wiederum Relation der Privatarbeiten zueinander, damit „so sehr relativ, dass, wenn die zur Reproduktion erheischte Arbeitszeit [sich] ändert, ihr Wert [sich] ändert, obgleich die in ihr wirklich enthaltene Arbeitzeit unverändert geblieben ist.“ [51] Erst durch ihren tatsächlichen Verkauf, ihre Verwandlung in Geld, realisiert sich Privatarbeit als gesellschaftliche, d.h. konkret-individuelle als abstrakt-allgemeine. [52] Nicht die konkrete Arbeitszeit, sondern die abstrakte, nicht die empirische Arbeitszeit des Einzelnen, sondern sich nur im Geld darstellende gesellschaftliche Durchschnittsarbeitszeit ist Wertgrund und –maß. Die das Wertquantum konstituierende Arbeitszeit ist gesellschaftlich definiert und determiniert. [53] Abstrakte Arbeit ist dabei keine bloße Nominal-, sie ist eine Realabstraktion: „Abstraktheit der Arbeit meint nicht die allgemeinsten Bestimmungen der Arbeit, die das reflektierende Subjekt [...] beim Vergleich verschiedener Arbeiten feststellen kann, sondern die in der Gleichsetzung der Produkte im Tausch praktisch stattfindende Abstraktion von den besonderen Charakteren der verschiedenen Arbeiten, die diese Produkte hervorgebracht haben.“ [54] Marx bestimmt abstrakte Arbeit - konträr zu seinen naturalistischen Formulierungen – nun nicht mehr als anthropologische Größe, sondern als blinden Struktureffekt privat-arbeitsteiliger Produktionsverhältnisse: „Nun besitzt aber keine dieser Privatarbeiten in ihrer Naturalform diese specifisch gesellschaftliche Form abstrakter menschlicher Arbeit“, [55] „Schneiderarbeit z.B. in ihrer stofflichen Bestimmtheit als besondere produktive Tätigkeit, produziert den Rock, aber nicht den Tauschwert des Rocks. Letztern produziert sie nicht als Schneiderarbeit, sondern als abstrakt-allgemeine Arbeit, und diese gehört einem Gesellschaftszusammenhang, den der Schneider nicht eingefädelt hat.“ [56] Unter den Prämissen der Stundenzettel-Utopie – noch einmal: konkrete Privatarbeit hat bereits gesellschaftlichen Charakter – findet aber weder ein Austausch noch eine Realabstraktion von konkreter, gebrauchswertbildender Arbeit statt: „Die Arbeit des einzelnen also unmittelbar zum Geld machen wollen (d.h. auch sein Produkt), zum realisierten Tauschwert, [57] heißt, sie unmittelbar als allgemeine Arbeit bestimmen, d.h. eben die Bedingungen negieren, unter denen sie zu Geld und Tauschwert gemacht werden muss und vom Privataustausch abhängt. Die Forderung kann bloß befriedigt werden unter Bedingungen, worin sie nicht mehr gestellt werden kann. Die Arbeit auf Grundlage der Tauschwerte setzt eben voraus, dass weder die Arbeit des einzelnen noch sein Produkt unmittelbar allgemein ist; dass es diese Form erst durch eine gegenständliche Vermittlung erlangt, durch ein von ihm verschiedenes Geld.“ [58] Wie wir sahen, ist es aber nicht nur Proudhon, der damit „den Sozialismus in ein elementares Missverständnis über den notwendigen Zusammenhang zwischen Ware und Geld“ [59] auflöst. Auch Engels’ These von der Vergesellschaftung der Arbeit aufgrund der Arbeitszeitverausgabung der einzelnen Produzenten wird damit sinnlos. Zwar fordert auch Marx für den Kommunismus eine „Ökonomie der Zeit sowohl wie planmäßige Verteilung der Arbeitszeit auf die verschiednen Zweige der Produktion“. [60] Für ihn ist diese „jedoch wesentlich verschieden vom Messen der Tauschwerte (Arbeiten oder Arbeitsprodukte) durch die Arbeitszeit.“ [61] Arbeitszeit im Kommunismus stellt eine subjektive Abstraktion dar, die an konkreten Arbeiten vorgenommen wird und der vergesellschaftungsrelevanten Fähigkeits- und Bedürfnisartikulation nachgeordnet ist. Arbeitszeit ist hier eine bloße Nominalabstraktion, die zur normspezifischen Einteilung der Arbeiten dient: „die Arbeiten sind als ungleiche nach der Zeit eingeteilt – nicht als gleiche an der Zeit ‚gemessen’.“ [62]
Eine paradoxe Vorstellung von Sozialismus ist allerdings auch in einem bedeutenden, zu Lebzeiten unveröffentlichten Text von Marx zu finden, in den ‚Randglossen zum Programm der deutschen Arbeiterpartei’. Hier treten deutlich wie in kaum einer anderen Marxschen Schrift die klassischen, prämonetären Restbestände seiner Werttheorie in den Vordergrund. In seiner Skizzierung der ökonomisch-rechtlichen Prinzipien einer „aus der kapitalistischen Gesellschaft nach langen Geburtswehen hervorgegangen[en]“ [63] und noch mit deren „Muttermalen“ [64] behafteten Übergangsgesellschaft zum Kommunismus [65] greift Marx unvermittelt auf das an anderer Stelle von ihm so gründlich kritisierte Stundenzettel-Konzept von Proudhon zurück. Zunächst konstatiert er allerdings gegen diesen, dass in der ersten, niederen Phase des Kommunismus, der auf „genossenschaftlichen, auf Gemeingut an den Produktionsmitteln gegründeten Gesellschaft“ [66], die Akteure ihre Produkte nicht austauschen [67] und deren Arbeit nicht mehr die Form des Werts der Produkte annimmt. Unter Bedingungen einer noch unzureichenden Produktivkraft-Entwicklung (womit Marx die noch quasi-frühindustriellen Zustände des europäischen Kontinents seiner Zeit reflektiert) aber müsse die Verteilung der Konsumgüter auf die Individuen noch nach dem Prinzip ‚jedem nach seiner Leistung’ erfolgen. Hier wird plötzlich Proudhon zum Paten des Marxschen Sozialismus: „Die individuelle Arbeitszeit des einzelnen Produzenten“ wird ihm von „der Gesellschaft“ (im Klartext: der Tauschbank) in Form eines „Scheins“ (des Stundenzettels) quittiert, womit er wiederum „aus dem gesellschaftlichen Vorrat an Konsumtionsmitteln soviel heraus [nimmt], als gleich viel Arbeit kostet.“ [68] Vergesellschaftungsprinzip ist hier nach wie vor die Arbeitszeit, allerdings (wie bei Proudhon-Engels) die individuelle. Es wird zwar nicht ausgetauscht und kapitalistisch angeeignet - ein Verhältnis zwischen privat-arbeitsteiligen Produzenten -, aber es herrscht „dasselbe Prinzip wie beim Austausch von Warenäquivalenten“. [69] Im Gegensatz zum Wertgesetz – bei dem nicht konkrete Arbeit, in Zeit gemessene Arbeit des Einzelnen (oder eines Kollektivs), dessen Anteil am gesellschaftlichen Gesamtprodukt bestimmt, man unter bestimmten Bedingungen also mehr Arbeitszeit verausgaben kann als andere und doch nicht mehr Wert produziert – herrscht hier das reine Leistungsprinzip, herrscht distributive Gerechtigkeit, [70] die proportionale Verteilung am Maßstab der Arbeits(zeit)verausgabung bzw. Arbeitsintensität, [71] also Gleichheit für nach diesem Maßstab Gleiche. [72] Folglich ist das damit verbundene „gleiche Recht [...] ungleiches Recht für ungleiche Arbeit.“ [73] Der prämonetär-konkretistisch gedachte ‚Austausch’ von Äquivalenten ist für Marx – im Gegensatz zu Proudhon [74] - allerdings kein zu affirmierendes ewiges Gerechtigkeitsideal. Es unterwirft ungleiche Individuen und ihre Lebenschancen einem repressiven Egalitarismus und „erkennt stillschweigend die ungleiche individuelle Begabung und daher Leistungsfähigkeit [...] als natürliche Privilegien an.“ [75] Marx geht es aber keineswegs – wie einige Interpreten behaupten [76] - um die Schaffung gleicher(er) Ausgangsbedingungen auf der Grundlage des Leistungsprinzips (sog. Chancengleichheit), also um die Einbeziehung weiterer Dimensionen, wie Kinderzahl oder Begabung, in den Vergleichsmaßstab, sondern um die Entkopplung der Verteilung von Gütern von der Arbeitszeitverausgabung und Vergleichung am Wert. Die Abschaffung des Leistungsprinzips allein verdient Marx zufolge die Bezeichnung menschlicher Emanzipation. [77]
Die kurzen Ausführungen zum Vergesellschaftungsprinzip in der Übergangsgesellschaft zeigen, dass auch Marx also gelegentlich den „seichten Utopismus eines ‚Arbeitsgelds’“ [78] propagiert. Im Anschluss an Engels’ prämonetäre Werttheorie und vor allem Lenins Doktrinarisierung der hier behandelten Textstelle geht dieses Konzept als legitime Sozialismusvorstellung in die marxistische Tradition ein, so dass Behrens/ Hafner zu Recht konstatieren: „Alle bisherigen Vorstellungen vom Übergang zum Sozialismus rekurrieren auf Modelle unmittelbarer Arbeitswert- und Nutzenrechnung, die Marx am Beispiel Proudhons als Unmöglichkeit erwiesen hat.“ [79]
Literaturverzeichnis
[1] MEW 13, S. 475.
[2] MEW 13, S. 475; vgl. auch MEW 25, S. 20, 905.
[3] MEW 13, S. 475.
[4] Kautsky (1908), S. XI.
[5] Kautsky (1884), S. 350 [Hervorhebung von mir, I.E.].
[6] Vgl. nur Rosenthal (1973).
[7] Vgl. Mandel (1972) oder Haug (1989).
[8] „Danach wird es wohl klar sein, warum Marx am Anfang des ersten Buchs [...] von der einfachen Ware ausgeht und nicht von einer begrifflich und geschichtlich sekundären Form, von der schon kapitalistisch modifizierten Ware;“ (MEW 25, S. 20).
[9] MEW 25, S. 20
[10] Vgl. MEW 25, S. 909.
[11] MEW 25, S. 907.
[12] Zum Begriff vgl. Thompson (1980)..
[13] MEW 25, S. 907.
[14] MEW 25, S. 907.
[15] Vgl. Heinrich (1999), S. 38.
[16] So gilt die Wertsubstanz für Haug (1989, S. 121) als Natursubstanz: „Sowohl ‚konkret-nützliche’ als auch ‚abstrakt-menschliche’ Arbeit reduzierten sich letztlich auf Naturprozesse“. Auch die Marx-Kritik kommt über dieses naturalistische Verständnis seines Wertbegriffs nicht hinaus: Vgl. Becker (1972), S. 37 oder, wenn auch mit Hinweisen auf Ambivalenzen, Castoriadis (1981), S. 233f.
[17] Vgl. MEW 25, S. 909.
[18] Vgl. MEW 20, S. 286f.
[19] Vgl. MEW 25, S. 909
[20] MEW 13, S. 638.
[21] MEW 42, S. 178.
[22] Vgl. u.a. MEW 42, S. 203, wo Marx konstatiert, dass „im vollendeten bürgerlichen System jedes ökonomische Verhältnis das andre in der bürgerlich-ökonomischen Form voraussetzt und so jedes Gesetzte zugleich Voraussetzung ist“.
[23] Arndt (1985), S. 140; vgl. auch Heinrich (1999), S. 173f.
[24] MEW 23, S. 49 (Hervorhebungen von mir, IE); vgl. auch MEW 19, S. 369: „Wovon ich ausgehe, ist die einfachste gesellschaftliche Form, worin sich das Arbeitsprodukt in der jetzigen Gesellschaft darstellt, und dies ist die ‚Ware’. Sie analysiere ich, und zwar zunächst in der Form, worin sie erscheint.“
[25] Vgl. Bubner (1973), S. 65ff., 76f., 84.
[26] Urtext, S. 945.
[27] Urtext, S. 945.
[28] m ‚Kapital’ steht für eine solche Historiographie exemplarisch Kapitel 24 des ersten Bandes.
[29] Vgl. dazu Heinrich (1999), S. 177.
[30] Vgl. Heinrich (1999), S. 178.
[31] Vgl. im ‚Kapital’ Bd.1 exemplarisch Kapitel 8.
[32] Hier muss nämlich nichts rein Gesellschaftliches mehr dinghaft erscheinen, da abstrakte Arbeit von Engels als empirisches Phänomen verstanden wird.
[33] Vgl. Engels’ Brief vom 16.6.1867 und Marx’ Antwort vom 22.6.1867 (MEW 31, S. 303-307). Schon in einem Brief vom 9.12.1861 kündigt Marx allerdings, wohl ohne Druck seitens Engels und eher vor dem Hintergrund der negativen Erfahrungen mit der Rezeption seiner Schrift ‚Zur Kritik der politischen Ökonomie’ (vgl. dazu MEW 29, S. 462-465), an: „Es wird indes viel populärer und die Methode vielmehr versteckt als in Teil 1.“ (MEW 30, S. 207). Damit kann die Zweitauflage bereits als Popularisierung einer Popularisierung bezeichnet werden. Schon in der Erstauflage des ‚Kapital’ ist z.B. der Übergang vom Geld zum Kapital, der im ‚Urtext’ noch explizit dargelegt wurde, kaum noch zu erahnen. Der Vorstellung von der Selbständigkeit der einfachen Zirkulation wird dadurch Nahrung gegeben. Vgl. dazu u.a. Heinrich (1999), S. 254-257.
[34] Vgl. z.B. die Formulierungen in MEGA II/5, S. 30 und 43, die in der Zweitauflage fehlen
[35] MEW 23, S. 61.
[36] MEW 23, S. 58.
[37] Grigat (1997), S. 20.
[38] Vgl. MEW 20, S. 106 und 260f.: „Die gesellschaftlich wirksamen Kräfte wirken ganz wie die Naturkräfte: blindlings, gewaltsam, zerstörend, solange wir sie nicht erkennen und nicht mit ihnen rechnen.“; daran Anknüpfend z.B. Stalin (1979e), S. 406ff., 487ff. oder Jahn (1968), S. 31ff. Kritisch dazu Schmidt (1993), u.a. S. 201.
[39] MEW 20, S. 288.
[40] Vgl. für den DDR-Marxismus z.B. Jahn (1968), S. 31-37 oder für den westlichen Heller (1976), S. 93f., 125, 129f. Vgl. kritisch dazu Behrens/Hafner (1991), Reitter (2002), S. 8 sowie Kittsteiner (1977), S. 44-47: „ [...] die Verausgabung von Arbeit in Doppelform [...], die gerade besagt, dass die gesellschaftliche Arbeit nicht unmittelbar, sondern privat verausgabt wird, wird zur Erscheinungsform – der unmittelbar gesellschaftlichen Arbeit deklariert.“
[41] Vgl. MEW 20, S. 288: “Die Leute machen alles sehr einfach ab ohne Dazwischenkunft des vielberühmten ‘Werts’.”
[42] Vgl. dazu Heinrich (1999), S. 389.
[43] MEW 29, S. 573. Die Fiktion einer ‚einfachen Warenproduktion’ spielt allerdings in vielen Varianten moderner Gesellschaftsbetrachtung eine wichtige Rolle: so z.B. in der traditionsmarxistischen Kapitalismuskritik (Engels u.v.a.), in der anarchistischen Geld- und Zinskritik (Proudhon, Gesell u.a.) sowie in der liberalen Kapitalismusapologetik (von Carey/ Bastiat bis zu Friedman). Vgl. dazu ausführlich: Rakowitz (2000).
[44] Vgl. Brentel (1989), S. 140-145.
[45] MEGA II/5, S. 43.
[46] MEGA II/5, S. 42; vgl. auch MEW 42, S. 103.
[47] Vgl. Backhaus (1997), § 11 oder Brentel (1989), S. 325: „’Die Ware’ erweist sich als stets schon vorauszusetzende Ware-Geld-Relation.“
[48] MEW 13, S. 66.
[49] MEW 42, S. 89. Vgl. auch Brentel (1989), S. 228-236.
[50] MEW 42, S. 103f.
[51] MEW 26.3, S. 126 (Einklammerungen im Text). Vgl. auch MEW 23, S. 53.
[52] Vgl. MEW 26.3., S. 133.
[53] Abstrakte Arbeit bedeutet nicht nur Abstraktion vom konkreten Inhalt der Arbeiten, sondern auch von deren konkreter, empirisch mit der Uhr messbarer, Zeitdauer. Vgl. Heinrich (1999), S. 219 und Reitter (2002), S. 7f.
[54] Heinrich (1994), Sp. 58f.
[55] MEGA II/5, S. 41.
[56] MEW 13, S. 24.
[57] Marx unterscheidet in den ‚Grundrissen’ wie in ‚Zur Kritik der politischen Ökonomie’ noch nicht terminologisch zwischen Wert und Tauschwert. Hier ist natürlich der Wert gemeint.
[58] MEW 42, S. 104f.
[59] MEW 13, S. 69.
[60] MEW 42, S. 105.
[61] MEW 42, S. 105.
[62] Brentel (1989), S. 148; vgl. auch Heinrich (1999), S. 213 und Müller (1969), S. 73-75.
[63] MEW 19, S. 21.
[64] MEW 19, S. 20.
[65] Marx nennt diese hier die ‚erste Phase des Kommunismus’. Lenin wird sie später ‚Sozialismus’ im Gegensatz zum entwickelten Kommunismus nennen.
[66] ?
[67] MEW 19, S. 19.
[68] Der Austauschbegriff ist hier im strengen Sinne historisiert, d.h. auf die spezifisch ökonomische Verkehrsform systematischen Äquivalententauschs begrenzt. Wer (Waren-)Tausch, soziale Reziprozität und Transaktionen wie die Gabe undifferenziert unter den Tauschbegriff subsumiert, wie dies von Aristoteles bis Mauss geschieht, vermengt vollkommen heterogene Kategorien und soziale Formen, läuft Gefahr, eine Ontologie wertvermittelter Vergesellschaftung zu betreiben, Distribution und Austausch gleichzusetzen. Vgl. kritisch dazu Schandl (1999) und Ritsert (1998), S. 325-327.
[69] Alle Zitate MEW 19, S. 20.
[70] MEW 19, S. 20.
[71] Vgl. Aristoteles (2002), S. 209-211.
[72] Vgl. MEW 19, S. 20f.
[73] Vgl. Ritsert (1997), S. 26.
[74] MEW 19, S. 21.
[75] „Die freie Assoziation, die Freiheit die sich darauf beschränkt, die Gleichheit in den Produktionsmitteln und den Gleichwert beim Tausch aufrechtzuerhalten, ist die einzig mögliche, einzig gerechte und einzig wahre Gesellschaftsform.“ (Proudhon (1896), S. 232).
[76] Vgl. Fetscher (1967), S. 187 oder Radbruch (1929), S. 78f.
[77] Vgl. MEW 19, S. 21 sowie MEW 3, S. 528.
[78] MEW 23, S. 109 (FN 50).
[79] Behrens/Hafner (1991), S. 226