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Autor: Fabian Kettner

Elemente des Antiamerikanismus

Von der "Verjudung" zu den "amerikanischen Verhältnissen"


Von wem stammt die Einsicht, die USA stünden für „das Antlitz eines Landes und Volkes, das Hunderttausende Indianer hinmordete, um Platz für sich selbst zu schaffen, das anderen Staaten mit Lug und Trug, Gewalt und Krieg ihren Besitz raubte, das Länder besetzte und Völker unterjochte, um sie ins Elend zu stürzen und ihre Arbeitskraft auszubeuten, das alle Versprechen und Verträge brach, die der Ausdehnung seiner Macht und seinem Belieben im Wege standen. Es ist das Antlitz des egoistischen materialistischen Angelsachsen, der davon überzeugt ist, dass Gott ihm die Herrschaft dieser Erde vorbehalten hat, und der darum ungestraft tun und lassen kann, was er will! Wie der Krake der Tiefsee, so streckt dieses Land seine Arme nach allen Seiten, heftet sie auf Inseln, Länder und Völker und erstickt sie in seinen Umarmungen.“ Vom Antizonisten der jungen welt, Werner Pirker, oder von seinem Kompagnon Wilhelm Langthaler von der österreichischen Antiimperialistischen Koordination (AIK)? Von Oskar Lafontaine, von attac! oder von Pro Oekumene? Aus dem arte-Feature über Hakim Bey oder aus dem über Antonio Negri? Vom Ton und vom Inhalt passt sie zu allen Genannten; tatsächlich aber findet sie sich in einem Nazi-Machwerk mit dem Titel Imperium Americanum. Die Ausbreitung des Machtbereichs der Vereinigten Staaten von einem Otto Schäfer, aus dem Jahre 1943. Der Text geht so weiter: „Hinter dem Kraken aber erscheint bereits die Fratze des ewigen Juden, der auch in ihm nichts anderes sieht als den Wegbereiter seiner uralten und nie aufgegebenen Weltherrschaftspläne.“ So, zumindest nicht so direkt würden wenigstens einige der oben Genannten nicht weiterschreiben. Beim historischen Nazi Otto Schäfer steht noch beisammen, was zusammengehört: Antiamerikanismus und Antisemitismus.

Heutzutage findet man sie in Nachbarschaft zueinander, aber im Gegensatz zum Antiamerikanismus, der in den letzten Jahren in Europa – und besonders in Deutschland – zu einem Massenbewusstsein wurde, ist der Antisemitismus nach wie vor unter Diskursverbot gestellt. Antiamerikanismus hingegen gilt als honore, gar widerständige Haltung, die eine Querfront von Links nach Rechts schlägt und den no globals als gemeinsame Klammer dient.

Warum sagt man „hollywood“ statt „oberflächlich“? Warum „amerikanisch“ statt „rücksichtslos“ und „kapitalistisch“? Warum Antiamerikanismus keine Gesellschaftskritik ist, welche Weltsicht sich in ihm artikuliert, wieso er deswegen mit dem Antisemitismus zusammenhängt, welche Rolle er bei den no globals und für sie spielt, darum soll es in diesem Vortrag gehen.


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