Magnus Klaue

Abschied von der Geschichtsphilosophie. Adorno, Sartre und die Sehnsucht nach der positiven Freiheit

Seit einiger Zeit findet in antideutschen Kreisen verstärkt die zuerst von Jean Améry unter dem Schlagwort vom "Jargon der Dialektik" aufgestellte These Anklang, wonach im geschichtsphilosophischen Entwurf der "Negativen Dialektik" und in der negativen Anthropologie, wie die "Dialektik der Aufklärung" sie entwerfe, eine Verwischung der Grenze zwischen Tätern und Opfern der Shoah und eine Leugnung der moralischen Zurechenbarkeit individueller Handlungen wie auch individueller Leiderfahrung angelegt sei. Dadurch mache sich die Kritische Theorie, entgegen ihren Möglichkeiten, blind für die in keine "Dialektik" auflösbaren Widersprüche der Empirie. In Rückgriff auf die Existenzphilosophie, insbesondere auf Amérys Begriff der Leiberfahrung und Sartres Theorem der "Entscheidung", versucht etwa Gerhard Scheit in seiner Studie "Der quälbare Leib", diesem Defizit beizukommen. Der Vortrag möchte es demgegenüber unternehmen, gerade das oft als "negative Teleologie" abgelehnte Moment des Adornoschen Denkens als notwenige Bedingung geschichtlicher Wahrheitserkenntnis auszuweisen, und daran erinnern, daß an den "Schwierigkeiten mit der Geschichtsphilosophie" (Odo Marquard), in die jeder denkende Mensch durch die reflektierte Erfahrung der Wirklichkeit gestürzt wird, nicht die Philosophie, sondern die Geschichte schuld ist.

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Magnus Klaue hat an der FU Berlin Neuere Deutsche Literatur, Philosophie, Film- und Theaterwissenschaften studiert und von 2003 bis 2008 dort als Wissenschaftlicher Mitarbeiter gelehrt. Seither freier Autor.
Aufsätze zur deutsch-jüdischen und österreichischen Literatur sowie zur Kritischen Theorie. Aktuelle Veröffentlichung: "Poetischer Enthusiasmus. Else Lasker-Schülers Ästhetik der Kolportage", Böhlau 2011. Er arbeitet als Redakteur für das Dossier im Dschungel bei der Jungle World.